Dienstag, 6. September 2011

Shelter - ein Erfahrungsbericht

Für euch,

ihr Liebhaber undurchsichtiger Psychostreifen, für euch, die ihr den langsamen Drift ins Fantasygenre liebt, schreibe ich diese Rezension.

Shelter war der letzte Horror/Psychofilm, den ich gesehen habe. Aufmerksam geworden auf dieses Glanzstück der subtilen Art bin ich durch die hochwertige Besetzung mit Julianne Moore und Jonathan Rhys Meyers in den Hauptrollen. Gedreht wurde der Streifen 2010 in den USA unter Regie von Björn Stein, der mir bis dato kein Begriff war.

Ich tigerte jedenfalls eine ganze Weile um das gute Stück, bevor sich die passende Gelegenheit ergab. Ich kann empfehlen diesen Film bei diffusem Dämmerlicht zu schauen, das generiert den höchsten Gruselfaktor.

Die Handlung ist schnell erzählt ohne zuviel zu verraten: Julianne Moore arbeitet als forensische Psychologin und fertigt Gerichtsgutachten an. Ihr Spezialgebiet ist die Beurteilung von Persönlichkeitsstörungen, die sie in den meisten Fällen negiert. Bis sie einen Patienten ihres Vaters kennenlernt, dessen Persönlichkeit in mehrere Teile gespalten ist, von denen eine realer und glaubhafter erscheint als die andere. Es beginnt ein bizarrer und nervenaufreibender Kampf um die Wahrheit, der nicht nur die unmittelbare Familie der Psychologin Cara Harding in seinen Bann zieht, sondern langsam aber sicher zu einem gutgehüteten Geheimnis führt, das zumindest mir den Atem stocken ließ.

Shelter bewegt sich genremäßig auf dünnem Eis. Sowohl Elemente eines klassischen Horrorfilms, als auch die durchweg eisige Atmosphäre eines Thrillers, kombiniert mit der subtilen Art eines Psychothrillers machen die Einordnung nicht einfach. Wenn man allerdings den eindeutigen Einschlag in die Mystery/Okkult-Gattung berücksichtigt, komme ich tatsächlich zu dem Schluss, dass dieser Film am ehesten ein Mysterythriller ist. Die Altersfreigabe von 16 Jahren erscheint mir auch völlig gerechfertigt. Es gibt einige Schockmomente und Ekelsequenzen, die sich aber in Grenzen halten.

Die unterkühlte Musik und die durchweg klirrendkalte Stimmung im Film halten die Spannung jedenfalls hoch. Da wirkt es fast wie ein orgiastischer Höhepunkt, wenn sich ein Spannungsbogen nach dem anderen in einem fulminanten Finale auflöst. Zur Ruhe gekommen bin ich jedenfalls erst nach Ende des Films, und auch dann hat er ein sehr flaues Gefühl in meinem Magen hinterlassen, wie es ein martialischer Zombie-Splatter selten tut.

Shelter kommt in langsamen Wellen, aber er ist zäh. Dieser Film arbeitet mit dem Horror im Kopf, und das sehr erfolgreich. Die Leistung der Schauspieler ist im Großen und Ganzen sehr überzeugend, allerdings leidet Julianne Moores solide gespielte Psychologin etwas im Glanze des in meinen Augen meisterlichen Jonathan Rhys Meyers. Aber gut, hübsch anzusehen ist sie trotzdem. Dass am Ende nicht sie für die Enttarnung der wahren Wahrheit verantwortlich ist, sondern ihr Bruder und sie lediglich dem niederen Trieb der Lebenserhaltung folgt, ist daher nicht weiter verwunderlich.

Wer also einen Horrorfilm mag, der sich langsam steigert und mit einem Paukenknall verabschiedet, wird mit Shelter wohl weniger gut beraten sein. Auch Fans von zünftiger Brutalität werden nicht auf ihre Kosten kommen, denn Shelter kommt ohne viel Blutvergießen aus. Für alle Freunde von subtilen Psychospielchen und leiser Angst kann ich aber beide Daumen hochhalten! Ich war überaus überzeugt vom Gesamteindruck des Films.

Ich wollte mich gruseln, und das habe ich auch zur Genüge! Ein solide gemachter Mainstream-Psychostreifen, dessen Story nicht schlecht ist und mit guten schauspielerischen Leistungen punktet. Nicht das ganz exquisite Highlight, aber unterhaltend.

Ich vergebe daher an Shelter 8 von zehn möglichen Kettensägen.

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